Beiträge von Dieter

    Hallo Rudolf, hallo zusammen,


    entschuldigt bitte die etwas verspätete Reaktion auf den sehr interessanten Artikel von Johann van den Bongard. Ich hatte die letzten Tage sehr viel zu tun und konnte mich erst heute wieder dem Internet widmen.


    Im Grunde genommen ist das so, dass alle Tierarzneimittel, Säuren usw. Spuren hinterlassen. Zum Beispiel die Ameisensäure; sie ist eine ätzende Flüssigkeit, die ohne weiteres Fühler, Augen und Stigmen der Bienen schädigen kann. Von sogenannten „Schockbehandlungen“ halte ich persönlich gar nichts. Die Belastung des „Bien“ ist dabei schon ziemlich hoch. Auf jeden Fall ist die Lebenserwartung der Winterbienen nach einer Schockbehandlung herabgesetzt. Allerdings ist die Ameisensäure eines der wirksamsten Behandlungsmittel. Wenn Ameisensäure, dann nur als Langzeitbehandlung.


    Milchsäure ist die mildeste Anwendungsform. Sie hat darüber hinaus eine antiseptische Wirkung, kann z. B. viele Pilzsporen - Kalkbrut in seiner Ausbreitung hemmen. Leider ist Milchsäure unter den Imkern nur wenig bekannt und wird deshalb sehr wenig genutzt. Ich benutze sie sehr gern und Nebenwirkungen konnte ich bisher nicht feststellen.


    Zur Oxalsäure – im wässrigen Zustand kann man Oxalsäure nur einmal anwenden. Die feinen Kristalle dringen dabei in die Stigmen (Atemöffnungen) ein und die Bienen sterben nach zweimaliger Behandlung an Übersäuerung. Im verdampften Zustand hinterlässt sie wie Milchsäure keine Schädigungen. Eine ätzende Wirkung auf Bienen ist bei der Oxalsäure ausgeschlossen, da sie eine andere chemische Struktur besitzt als z. B. Ameisensäure. Also, eine Verätzung kann nur in Verbindung mit Sauerstoff (verdunsten) chemisch reagieren. Hier muss ich Herrn Johann
    van den Bongard widersprechen.


    Ich denke, wir sollten so wenig wie möglich Tierarzneimittel und Säuren einsetzen, wenn möglich alles nutzen, um von den ätzenden Stoffen wegzukommen.


    Herzliche Grüße


    Dieter


    http://www.imkerhomepage.de/stockkarte/

    Nach der Obenüberwinterung wurde bei Eintritt wärmeren Wetters der Schacht nach unten Etagenweise frei gegeben, in der üblichen Weise mit Mittelwänden ausgestattet, dabei die Fensterwaben der beiden unteren Räume nur mit Anfängen für unbeschränkten Naturbau versehen. Auf die bienengemäßen Zwischenräume von 6 mm zwischen den Etagen richtete ich besonderes Augenmerk, und Kletterroste wurden eingelegt. Ein eventueller Austausch eines Kletterrostes gegen Absperrgitter war nur dann ins Auge gefasst, wenn langandauernde Schlechtwetterperiode die Honigkappe etwa nach aufwärts zum Schwinden bringen sollte, was ja wieder ein Nachwandern des Brutnestes in der unerwünschten Richtung, nach oben, brachte. Ich brauchte aber kaum Gebrauch davon zu machen. Nach Beendigung der Frühtracht befand sich das Brutnest in der zweiten Etage, die 6 Ganzwaben der oberen dritten Etage konnten verdeckelt entnommen und geschleudert werden, sie wurden nicht etwa wieder eingehängt, sondern der Leerraum ausgestopft. Am Schluss des Bienenjahres hatte das Brutnest seine Wanderung in die unterste Etage vollendet, das Brutnest berührte das Flugloch, die 6 Ganzwaben der mittleren Etage konnten jetzt auch geschleudert werden. Das Volk schwärmte nicht, die Arbeit des Jahres hatte sich auf das Ausstatten der unteren beiden Räume mit Mittelwänden, der Beobachtung der Fensterwaben, deren teilweiser Drohnenbau nicht ausgeschnitten wurde, und der Schleuderung beschränkt. Anschließend kam das Brutnest, nach Ausschneiden von Drohnenbau, der in der Hauptsache ja auf die Fensterwaben abgeleitet wurde, wieder zur Einfütterung und Überwinterung nach oben. Nur einige bestausgebaute Waben wurden aufgehoben, alle anderen eingeschmolzen.


    Mit diesen Worten beendete mein alter Freund seine Ausführungen, dabei die hohe Beutentür schließend, nicht ohne vorher eine besonders dicke Strohwand zwischen Tür und Fenstern sorgfältig eingestellt zu haben. - "Nun, was meinst du nun dazu", fragte er, mich dabei erwartungsvoll aussehend. Ein Lächeln auf den Lippen, das doch wohl etwas aufreizend gewirkt haben mochte, stellte ich die Gegenfrage: "Nun, du hast wohl hier in deinem Urwald einen hohlen Baum mit Bienenvolk und zig Pfund Honig gefunden, dessen "Innenkonstruktion" dich "richtunggebend" beim Bau deiner viereckigen "Hohlbaumbeute" geleitet hat? Die Antwort, die ich jetzt von meinem alten Freund bekam, bin ich in der Lage, nicht nur sinngemäß, sondern auch wortgetreu wiederzugeben, da sie mich dementsprechend beeindruckte. Sie lautete also:


    "Da hast du wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, während ich mit dem Gedankengang, der mich zum Bau dieser ,dreiräumigen viereckigen Hohlbaumbeute veranlasste, die Vernagelten auf die Köpfe treffen möchte. Das ist nämlich "die einfache" Beute, ohne jedes Drum und Dran, nach der ihr in euren Bienenzeitungen immer ruft, die Beute, die ihr aber nicht eher in den Bereich der Anwendungsmöglichkeit ziehen werdet, bis ihr, wie der Wanderer im dichten Nebel, wieder an euerem Abmarschpunkt angelangt seid, nicht eher, als dass ihr den Rundlauf vieler Jahrzehnte über die verschiedenen Stationen der Beutenverkomplizierung abgelaufen habt. Wenn dann die Zeit einmal reif geworden sein wird, werdet ihr mit Staunen dem Apostel lauschen, der euch mit dem nötigen, dazugehörenden, begeisterten "Wortgeschnitzel" den hohlen Baum, etwas modern zurecht und zugänglich gemacht, als "letzten Schrei" des Wissens um die praktische Bienenwirtschaft, demonstriert. Ganz genau so, wie ihr heute durch Wort und Schrift staunend davon Kenntnis nehmt, dass man aus einem "Herzvölkchen" - Kleinvölkchen oder Nachschwärmchen mit gutem Weisel durch dauerndes Verstärken ein Leistungsvolk machen kann! Herzvölkchen und Hohlbaumbeute bewegen sich aber bezüglich ihres Alters und ihres Wertes als Binsenwahrheit in einer Ebene und sind bezüglich ihres Erscheinens im Blickpunkt moderner Imkerei angewiesen auf das Reifwerden aller Dinge und das Auftreten des berufenen Propagandisten im richtigen Moment. Dieser Zeit und diesem Moment zu weit vorauseilende Erkenntnisse sind fast immer der Stagnation, wenn nicht der Lächerlichkeit und dem Spott ausgesetzt gewesen, und das um so mehr, je einfacher die Sache hinterher erscheint. Dafür gibt es noch andere Beispiele in der Bienenzucht und auf anderen Gebieten!


    Jetzt war es Abend geworden, die letzten Bienen kehrten heim zum Stand, und mein Freund ging langsam mit mir- seiner Behausung zu. Etwas "nachdenklich" geworden über solche Theorie und Praxis fuhr ich am nächsten Tage wieder meiner Heimat zu.


    Quelle:
    Leipziger Bienenzeitung /1954 / Nr.2-68.Jahrgang / Seite: 59 - 61 / Autor: Georg Bruckner

    Ein Bericht aus dem Jahre 1954 vonGeorg Bruckner, Auerbach i. Vogtl.


    Im Laufe des vergangenen Sommers besuchte ich nach vielen Jahren wieder einmal meinen alten Freund, einen ehemaligen Forstmann, welcher in weit abgelegenem Waldgebiet ein Hinterwäldler-Dasein führt. Nachdem sich die erste Wiedersehensfreude gelegt hatte, standen wir bald an seinem Bienenstand, wo u.a. eine Anzahl Beuten ungewöhnlichen Formats, ca. 120 cm hoch, nur wenig tief und ganz auffallend stark isoliert, sofort mein besonderes Interesse erregte.


    Was hast du da gebaut? Zu was soll das gut sein ? Das lass mich sehen!


    Lächelnd öffnete er so ein „Monstrum", und ich sah einen Normalmaß – Hochwaben - Dreietager, jede Etage aber nur für je 6 Ganzwaben eingerichtet.Die unteren beiden Etagen stark besetzt, die obere dritte Etage leer, weil diese schon geschleudert war. Auf mein Drängen hin, mir doch das Wie und Warum und die Betriebsweise dieser hohen „dreiräumigen" Beute näher zu erklären,machte er folgende Ausführungen, die ich hier sinngemäß zur Niederschrift bringe:


    „Dem Jahresablauf, dem Stand der Sonne folgend, verändern sich Brutnest und Bienenmasse, Umfang und Größe, in der brutlosen Zeit sich als Bienentraube zusammenballend und mit Brutbeginn wieder nach und nach Besitz ergreifend vom Raum, der zur Verfügung steht oder gestellt wird. Es liegt an der Konstruktion der meisten Beutensysteme begründet, wenn sich das Brutnest ausdehnt nach rückwärts beim Quer- oder Warmbau, oder nach seitwärts beim Längs oder Kaltbau,dabei schon im Anfang der Entwicklung das Flugloch berührend und von diesem richtunggebend beeinflusst in bezug auf seine, Ausdehnung l Dies ist bei allen
    Breitwabenbeuten der Fall, für die Hochwabenbeuten mit der Einschränkung, dass hier eine gewisse Ausdehnung des Brutnestes auch nach unten möglich ist, vom Imker aber nur sehr selten einmal ungehinderter Lauf gelassen wird, da der größte Teil dieser „Hochwabenimker" unten überwintert, unten erweitert und später Teile des Brutnestes nach oben hängt!


    Das Brutnest besitzt aber außer seiner Ziehharmonika-ähnlichen Ausdehnungsmöglichkeit, so groß oder klein diese auch durch Klima und Bienenrasse bedingt sein mag, eine gewisse Beweglichkeit, die in Gang gebracht wird durch den Druck des Honigkranzes einerseits und den Bautrieb des Volkes anderseits. - Das Brutnest wandert. Diesem Wandern, dieser Beweglichkeit des Brutnestes, leistet der Imker, im ganzen gesehen, leider nur recht wenig
    Vorschub! Dem wandernden Brutnest wird nur bei einer, nämlich der Magazinbetriebsweise,
    Rechnung getragen bzw. soll getragen werden! Dass aber der weitaus große Teil der Imker resigniert auf die reine Magazinbetriebsweise verzichtet und ein teilweises Umhängen in Anwendung bringt, ist leider Tatsache, liegt begründet und wird verursacht durch den zu großen Raum und die zu große Wabenzahl vieler Magazine, die nur auf Nektarangebot bester Trachtgebiete zugeschnitten sind.Dass dem wirklich so ist, beweisen diesbezügliche Magazinbetriebsanweisungen,die veröffentlicht wurden!


    Auch der ,,rationelle" Raum hat sich in Größe und Wabenzahl nach seinen klimatischen Umweltbedingungen zu richten, ansonsten sind die Rezepte zum Arbeiten mit „ganzen Räumen" und wiederholtem Unter- oder Zwischensetzen von Halbmagazinen unangebracht. Wenn aber Form und Größe des Raumes ins richtige Verhältnis zu den jeweiligen Umwelteinflüssen gebracht werden, und wenn dafür gesorgt wird, dass das Brutnest erst am Schluss des Bienenjahres das Flugloch berührt und damit gezwungen war, ihm dauernd zuzustreben, dann tritt das Brutnest eine Wanderung an, wie sie wohl viele Imker noch nicht beobachtet haben werden!


    Von den besonderen Vorteilen der reinen und richtigen Magazinbetriebsweise,biologisch gesehen und auch in bezug auf Zeit und Arbeitsersparnis, sollten aber auch die Hinterlader-Imker zu gewinnen versuchen, indem sie dieselbe nachahmen, soweit in ihren Beuten teilweise die Möglichkeit dazu besteht,insbesondere diejenigen, die mit den größeren Breitwaben und mit Hochwaben arbeiten. Mit der Obenüberwinterung, mit dem Verzicht auf Zerreißen des Brutnestes und dem ungestörten Herunterbauen lassen, bei „beschränkter" Wabenzahl und erst späteren Einlage des Absperrgitters, wäre wenigstens ein
    Anfang dazu gemacht! Im übrigen ist es mir bekannt (so führte mein Freund weiter aus), dass die ewigen Probierer und Beutenerfinder mit reichlich viel Ironie behandelt werden; dessen ungeachtet habe ich einmal die 24 Normalganzhochwaben eines Zweietagers auf 38 Stück reduziert, diese 18 Stück aber in drei Etagen je 6 Waben in einer entsprechend gebauten Versuchsbeute untergebracht und damit geimkert, aber nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten. Dabei war ich mir bewusst, dass ich mit meinen nur 6 Stück Normalmaß-Hochwaben jeweils in einer Etage den sogenannten „rationellen Raum" um ca. 4 cm
    verkleinerte, ein Umstand, der mir weiter keine Unruhe verursachte, da ich mir sagte, dass sich meine Bienen in unserer mageren Trachtgegend auch mit dieser Beschränkung abfinden würden. Mir kam Unmut an, den Bienen versuchsweise einerseits einen noch genügend weiten „Schacht" für eine möglichst ungestörte Entwicklung zu geben, der anderseits doch wieder so eng war, um einem beschleunigten Wandern des Brutnestes nach unten, dem Flugloch zustrebend,Vorschub zu leisten. Ich täuschte mich nicht. Die Entwicklung ging in diesem
    „Schacht", Durchmesser ca. 220x235 mm, rapid nach unten. Dafür sorgte die sich dauernd vergrößernde Honigkappe in Verbindung mit dem Bautrieb, gekoppelt mit dem Bemühen des Volkes, das Flugloch zu erreichen.


    Fortsetzung - Teil 2